Kauai – Los Angeles – Chicago – Frankfurt – Leipzig.

Pünktlich zum Sonnenaufgang kurz nach 6 Uhr wache ich auf. Der Himmel ist wolkenverhangen. Trotzdem setze ich mich mit einem Kaffee und meinem Buch an den Strand , lausche dem Klang der Wellen und vertiefe mich in „Das Leben ist ein listiger Kater“ – ein zauberhaftes Buch. Wer „Ziemlich beste Freunde“ und „Zusammen ist man weniger allein“ mag, dem sei auch dieses Buch ans Herz gelegt.
Zwischendrin kurz aufgeschaut , färbt sich der Himmel über dem Wasser erst rot, wechselt kurze Zeit später ins orange, um dann golden zu leuchten. Das Warten hat sich gelohnt , zum letzten Tag dieser Reise gibt die Sonne noch einmal alles.

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Zwei Stunden später habe ich mein Buch ausgelesen und verlasse den Strand. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie eine junge Frau Yogamatten unter einem Baum verteilt. 8.30 Uhr findet hier ein Kurs statt. Mir bleibt nicht viel Zeit , mich zu entscheiden. Doch zuerst muss ich klären , ob ich das Zimmer bis zum Abflug behalten kann. Die Nachtschicht an der Rezeption hatte mich gebeten , heute morgen nochmal nachzufragen. Ein kurzer Anruf genügt und ich habe das Zimmer bis 18 Uhr zur Verfügung. Pulli aus , Yogashirt an und ab auf die Wiese.
Wir sind zu sechst und die Lehrerin sehr sympathisch. Das dehnen tut den Muskeln gut , in den Oberschenkeln ziept noch immer der Muskelkater von meiner kleinen Hiking-Einlage Zud Abschlussmeditation wenden wir uns wieder dem Ozean zu, der mich heute noch einmal über den Tag begleiten wird.

Ich entscheide mich , noch einmal zum Frühstück in das kleine Cafe in Kapaa zu fahren.
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Hier sitze ich bei Bagel und Smoothie – ich muss dringend das Rezept für Anti X googeln – und schaue den wilden Hähnen auf der Straße zu, wie sie sich um die Hennen prügeln.

Zurück im Hotel gönne ich mir einen kleinen Powernap am Strand – der Tag und die darauffolgende Nacht werden lang. Dann ein letzter Spaziergang am Meer , ohne Kamera und Smartphone , Pazifik pur. Meine Schritte lenken mich zu der kleinen Bar vom Ankunftstag „Oasis on the Beach “ – was für ein treffender Name. Zwischenzeitlich geht es auf 15 Uhr zu. Der Kellner schaut mich an, als ob ich völlig irre wäre, denn ich bestelle nur einen Kaffee. Deutsche Gewohnheiten scheinen ihm nicht so geläufig ,,,

Heute Nacht ist Vollmond. Die Yogalehrerin empfahl uns dazu heute Morgen eine Reinigungszeremonie im Meer. Verbrauchte Energie abgeben, neue Energie tanken. Was für eine wunderbare Idee zum Abschluss meines Urlaubes. Zunächst lasse ich es sanft angehen. Das Meer ringt mir heute Respekt ab. Im Radio wurden heute Morgen Badewarnungen ausgesprochen , die Wellen toben gefühlt meterhoch. Ungebremst können sie einen gegen die Steine werfen , die man unter Wasser schwer erkennt. Ich lasse mich am Ufer überrollen, aber das genügt mir nicht. Mit mir sind nur zwei Surferinnen hier. Eine von ihnen kommt strahlend an Land. Kurz befragt , zeigt sie mir , wo schwimmen am ungefährlichsten ist. Und dann werfe auch ich mich glücklich in die Wellen, nehme die Energie des Wassers auf und bestaune den Regenbogen, den ich vor den Bergen leuchten sehe. Kurz Zeit später regnet es – Zeit zum Kofferpacken.

Dann geht alles sehr schnell. Auto abgeben – hatte ich schon erwähnt, wie großartig Alamo ist 🙂 – Koffer aufs Band werfen und Daumen drücken , dass er tatsächlich in Leipzig auch wieder von diesen vom Band rollt Auf der Banderole steht alles richtig. Wie immer habe ich Hochachtung vor dieser logistischen Glanzleistung. (Hoffentlich muss ich den Satz später nicht nochmal anpassen )
Viel zu viel Zeit bis zum Abflug nach Los Angeles, die ich mit einem kleinen Salat in der Bar überbrücke. An Bord von United Airlines wird es nur auf der Strecke Chicago – Frankfurt etwas geben. Der Rest ist eher Schweigen, selbst der Film an Bord ist kostenpflichtig …

Pünktlich startet die Maschine und ich fliege einmal quer über den Planeten und der Zeit hinterher. Los Angeles + 3 Stunden , Chicago + 2 Stunden und dann kommen in Frankfurt nochmal 6 Stunden dazu. An jedem Flughafen stelle ich die Uhr neu und versuche , mich mental auf die jeweilige Zeit einzustellen.
Der erste Flug dauert knapp 6 Stunden und entlässt mich tiefgekühlt. Gute Vorbereitung auf Deutschland.

Kurzer Aufenthalt auf dem Flughafen in Los Angeles – das Terminal , das ich zu sehen bekomme , ist absolut unspektakulär. Ich gönne mir einen Kaffee und schon geht es weiter nach Chicago. Gleiches Spiel – kalt wie im amerikanischen Supermarkt und aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, sind alle Jalousien geschlossen. Man kann nur raten , ob es Tag oder Nacht ist – laut meiner Uhr dürfte es gegen Mittag sein.

Ein guter Zeitpunkt , zurückzublicken. Den Reisebericht hab ich gestern Abend zum ersten Mal komplett am Stück gelesen. Es scheint , als wäre ich schon ewig unterwegs und doch ist es mir wie gestern, dass ich mit meinem Koffer vor Yaffa und Jacoovs Tür gestanden habe.
Es war eine sehr emotionale Reise:
Die Herzlichkeit meiner Gasteltern. Jacoovs „Abschiedshymne“ und das Popcorn Geschenk am letzten Abend. Zwei Tüten davon bringe ich mit nach Hause – dabei habe ich gar keine Mikrowelle.
Das Glücksgefühl , als ich das erstemal vor der Golden Gate Bridge stand und vor dem kraftvollen Pazifik.
Meine ersten Kilometer im Mietwagen auf Maui , als ich das Paradies auf Erden gefunden habe.

Der Moment , als die Sonne am Berg Halekala durch die Wolken brach wird mir für immer unvergessen bleiben. Der lange Weg nach Hana auf Maui und meine verrückte Mini -Trail Aktion auf Kauai haben mir gezeigt, wie gut es ist, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen.

Das führt mich zurück und schließt den Kreis , mit dem alles begann „Das Café am Rande der Welt „. Ich hab das Café auf Hawaii nicht gefunden , aber das Glück erlebt, Menschen und Orte kennenzulernen , die mir immer in Erinnerung bleiben werden und meine eigene Erkenntnis , was wirklich wichtig ist.

Meine nächsten Reisepläne stehen schon fest. Ob es dann wieder einen Blog geben wird, leider noch nicht. Blog.de wird Mitte Dezember geschlossen. Der Blog hat mich über viele Jahre zwar nicht kontinuierlich , aber dafür immer sehr emotional begleitet Viele Blogger ziehen auf WordPress um, Jacoov hat mir als Alternative den Blog von Google gezeigt.

Ich danke euch , dass ihr so treu mitgelesen habt. Die Kommentare waren dieses Mal zwar eher verhalten, aber ich bin sicher , ihr wart auf meiner Reise dabei.

Das Flugzeug setzt zur Landung in Chicago an. Ich sag dann schon mal Tschüss oder vielleicht doch auf Wiedersehen ?

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Der Norden von Kauai

Heute lasse ich es absolut entspannt angehen. Zum Sonnenaufgang werde ich wach und schließe mich spontan denen an, die sich in der Lobby einen Kaffee geholt haben und nun verstreut am Meer sitzen alle in die gleiche Richtung schauen. Und schon bald werden wir belohnt, die Sonne taucht aus dem Meer auf. Kann ein Tag schöner beginnen ?

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Ich habe für heute keine wirklichen Pläne und so lasse ich mich einfach treiben , bummle herum , fahre für ein relativ spätes Frühstück in ein kleines , aber gut besuchtes Café im Ort und entscheide dort , heute in den Norden zu fahren. Hier ist die Vegetation am üppigsten , wobei eine Steigerung kaum möglich ist

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(Das schicke rote Auto im Hintergrund ist meines – beim Universum den perfekten Parkplatz gewünscht …)

Im Autoradio läuft mein Soundtrack dieser Reise. Angefangen hat er mit Marianne Faithfull „The Ballade of Lucy Jordan „Jacoovs Antwort auf Udo Jürgens „ich war noch niemals in New York „, nachdem ich die Geschichte erzählt habe , warum ich zerrissene Jeans trage. Yaffa war total besorgt, sie dachte, ich bin auf der Wanderung zum Pazifik mit Jacoov gestürzt …
Allerdings endet die Geschichte von Lucy Jordan deutlich dramatischer.
Auf Maui kam dann Israel Kamakawhwo’ole mit seinem „somewhere over the Rainbow „. hinzu, der Hawaiianer mit seiner wunderbaren Stimme , der viel zu früh gestorben ist. Ein paar Songs von Sam Smith, danach lässt es sich gut Auto fahren und nun natürlich noch der Soundtrack von Jurassic Park.

Los geht’s. Erstes Ziel der Kilauea Leuchtturm, von dem aus man eine imposante Aussicht auf die Küste haben soll. Der Schwerpunkt dieses Satzes liegt auf dem „haben soll“ – der Leuchtturm hat montags geschlossen und so bewundere ich ihn nur vom Parkplatz aus. Das könnte daran liegen , dass ich beim Frühstück erst gedacht habe , das auf der Reise bisher alles so geklappt , wie ich es erhofft hatte. Aber wenn es bei diesem Minibeweis des Gegenteils bleibt , bin ich äußerst zufrieden.

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Der Straße folgend lande ich an einem kleinen Sandstrand und genieße die Aussicht. Später
an der nächsten großen Kreuzung hält mich eine junge Frau mit Rucksack an. „Wo geht es denn hier nach Princeville“ fragt sie mich auf Englisch. Meine Aussprache verrät mich, kurze Zeit später fragt sie, kommst du aus Deutschland ? Autsch , passiert mir immer wieder. Ich lade sie ein, einzusteigen – unser Weg ist der gleiche. Sie kommt aus dem Saarland , ihre Familie ursprünglich aus Sachsen – mehr Gemeinsamkeiten 12.000 km von Deutschland entfernt, kann man auf die Schnelle nicht finden. Sie ist schon länger unterwegs , erst mit dem Mietwagen quer durch die USA und nun auf die Inseln von Hawaii. Ende November fliegt sie zurück und mein Fernweh ziept wieder ein bisschen …

Wir verabschieden uns und ich laufe einmal über Straße zum Hanalei Valley Overlook. Vor den Bergen breiten sich unendlich viele Taro-Felder aus, einer Art Wasserwurzel, die man hier benutzt , um eine spezielle Paste zuzubereiten Wunderbare Aussicht. Am spannendsten finde ich , dass ich nach doch recht langer Zeit noch eine neue Einstellung an meiner Kamera entdecke. Man kann also auch Panorama Fotos machen. Ich muss mal wieder über mich selbst lachen und probiere es natürlich sofort aus. Wovon ich alles schon hätte Panoramafotos machen können…

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Aber eigentlich machen es die beiden Maler richtig , die hier ihre Staffelei aufgebaut haben und die Szene dabei viel länger auf sich wirken lassen.

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Das Tal übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus und so fahre ich hinunter in den kleinen Ort Hanalei und spaziere ein wenig durch die Landschaft. Später geht es weiter in den Villenort Princeville, der für öffentliches parken wenig geeignet scheint. Ich will nur schnell einen kurzen Blick auf die Steilküste werfen und nachdem ich vergeblich mehrere Runden auf die Suche nach einem Parkplatz gezogen habe, halte am Straßenrand an. Wie aus dem nichts taucht sofort ein Polizeiauto auf und fordert mich auf , schnellstens wieder wegzufahren.
Na dann – Pech für Princeville.

Ich fahre weiter, halte hier und da für einen kurzen Fotostopp an.

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Das Wetter wird regnerischer, es gibt ja Gründe , warum der Norden so besonders grün ist und ich stimme mich schon etwas auf den deutschen November ein. Naja , stimmt nicht ganz , bei den Temperaturen hier lässt sich der Regen deutlich besser ertragen. Irgendwann wird es aber selbst mir zuviel und ich fahre zurück in mein Hotel auf der Ostseite der Insel, lümmle ein bisschen auf dem Balkon herum und entscheide mich , am letzten Abend auf Kauai auswärts zu dinieren. Meine Wahl fällt auf das kleine Restaurant. Lemongrass Grill Seafood &Bar – vom Reiseführer und von Tripadvisor empfohlen – keine schlechte Wahl. Ich teste die Spezialität des Hauses Seebarsch mit Macadamiakruste und bin mit mir und der Welt zufrieden.
Später schreibe ich noch ein wenig online -Tagebuch – dann ist auch schon der vorletzte Tag im Paradies Geschichte.

I survived …

… nein, nein – so schlimm war es nicht – nur in meinen Gedanken 🙂
Aber der Reihe nach.

Zeitig wachgeworden entscheide ich mich für die Tour zum Waimea Canyon und Koke’s State Park im Westen der Insel. Zur Stärkung gibt es kurz nach 7 Uhr Kaffee und Bagel bei Coffee Beans und dann geht es ab auf den Highway. Der Reiseführer empfiehlt vor 8 Uhr den Ort Waimea zu passieren – hier bin ich sieben Minuten zu spät , hole das aber locker unterwegs wieder auf. Bis 10 Uhr soll man spätestens auf der Aussichtsplattform mit Blick auf das Kalalau Valley stehen, um einen nebelfreie Aussicht genießen zu können. Der Weg dahin wird als enge kurvenreiche Straße beschrieben , die sich den Berg hinaufwindet. Nun – einmal den Weg nach Hana gefahren – ist dies hier ein Kinderspiel. Mein Auto und ich bilden eine Einheit und staunend nehme ich zur Kenntnis , dass einige der vor mir fahrenden Jeeps rechts anhalten, um mich vorbeizulassen.

Ich folge den Ratschlägen des Autors und lasse zunächst den Waimea Canyon – die Bergschlucht des Pazifiks , die dem Grand Canyon am nächsten kommen soll , links bzw. in dem Fall rechts liegen und stehe 9 Uhr im gleißenden Sonnenschein ganz allein auf der Plattform des Lookouts und bin einfach nur sprachlos – ein grandioser Blick eröffnet sich mir.

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Einen noch besseren Blick verspricht der Ausblick noch einige Meilen weiter oben.

Hier angekommen entschließe ich mich spontan zu einem Mini-Trail. Man kann nicht auf Kauai gewesen sein , ohne nicht zumindest eine kleine Wanderung in dieser großartigen Natur unternommen zu sein. Viele Urlauber kommen ausschließlich deswegen hierher.
Der Wegweiser verspricht einen weiteren Ausblick in einer Meile. Naiv laufe ich einfach mal los – alle Wanderer mit Rucksack und ich als einzige mit meiner vollbepackten Handtasche über den Schultern – zumindest habe ich Sneakers statt Sandalen an.

Schon bald kristallisieren sich zwei Dinge heraus. Der Trail ist kein Spazierweg sondern ein heftiges auf – und ab mit teilweise großen zu überwindenden Steinbrocken. Und das Wetter verschlechtert sich , es wird neblig und feucht. Einmal losgegangen, habe ich nun den festen Willen , den Weg auch zu Ende zu bringen. Wer mich kennt weiß , das ich konditionell keine Probleme mit bergauf wandern habe , dafür um so größere mental beim bergab gehen. Und so kreisten meine Gedanken schon auf dem Hinweg beständig um den Rückweg … An einer besonders schwierigen Felsformation (oder dass, was ich dafür halte …) kommen mir ein Vater mit seiner Tochter entgegen. Befragt , wie weit es denn noch sei ( nach meinem Smartphone war ich schon mehr als 3 km unterwegs ) antworteten sie , nicht mehr als 10 Minuten , aber wenn ich den Weg nicht mehr mag , lohnt es sich auch nicht , ihn fortzusetzen, Nebel verhülle das komplette Tal.

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Umkehren ? Mitten auf der Strecke aufgeben ? Na ich doch nicht. Also Augen auf und durch. Ich klettere die letzten Steine hoch und sehe oben – wie zu erwarten war – nichts.

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Ich hole tief Luft , versuche mir Mut für den Abstieg zuzusprechen, laufe los und glaube kurze Zeit später zu träumen. Das Universum hat mir eine Treppe für den Abstieg geschenkt
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und so steige ich glücklich bergab , laufe entlang eines langen Holzsteges , kann es fast nicht glauben und bin schon eine ganze Weile unterwegs , als mir plötzlich drei junge Leute entgegen kommen , die ich schon einmal gesehen habe. Kurz bevor ich den Aussichtspunkt erreicht hatte , kamen die drei mir auch schon mal entgegen. Entgegen ???? Ich stutze kurz und beginne das erste Mal darüber nachzudenken , wieso denn da plötzlich eine Treppe war. Siedendheiss wird mir klar , ich laufe in die komplett falsche Richtung und muss den Weg auch wieder komplett zurück. Ich befinde mich zwischen Schockstarre und irrem Lachen über die Situation. Wie konnte ich nur so naiv sein ? Ich laufe zurück. Aus dem Nebel wird Regen. Aus dem roten staubigen Weg wird Matsch , die Steine werden noch rutschiger und meine Angst noch größer. Völlig allein mit meiner bekloppten Handtasche rutsche ich mehr auf allen vieren , als das ich laufe. Als der schlimmste Abschnitt vorbei ist , kommen mir zwei deutsche junge Paare entgegen. Ich rate Ihnen , schon aus Eigeninteresse – davon ab, weiterzugehen und sie drehen mit mir um. Einer der beiden Männer erkennt meine Not und hilft mir beim Abstieg. Zumindest eine Weile und lenkt mich mit einem Gespräch ab. Ich bin total dankbar. Seine Freundin ist eher sauer und als ich es allein weiter schaffe – das letzte Stück geht wieder bergauf – lassen die beiden sich zurückfallen.
Insgesamt 3 Stunden , 12 km und 50 Stockwerke nach meinem Start erreiche ich glücklich wieder den Parkplatz. Am Wegweiser lasse ich mich von Amerikanern fotografieren, die insbesondere meine verschmierte Rückseite ein Foto wert finden.

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Gottseidank habe ich Wechselschuhe und ein Handtuch dabei und es gibt wirklich an fast jedem amerikanischen Parkplatz eine Toilette. So wasche ich notdürftig Beine und Hände im Waschbecken und trete den Rückweg an.

Auch der Overlook am Canyon liegt jetzt in Regen und dichtem Nebel. Ich versuche mein Glück trotzdem und schaue ins – nichts … Eingedenk dessen, dass sich hier das Wetter sehr schnell ändern kann – setze ich mich ins Auto und merke erst jetzt , wie kaputt ich bin. Eine halbe Stunde und ein Nickerchen später verlasse ich den Rastplatz noch immer im strömenden Regen. Einige Meilen weiter unten gibt es von der Straße aus einen weiteren Aussichtspunkt. Fast eine Vollbremsung hinlegend, halte ich am Straßenrand an. Ein Regenbogen über den Canyon fesselt meinen Blick. Und wo Regenbogen – da ist neben Regen eben auch Sonne
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Ich entscheide spontan , weiter Geduld zu haben – wende auf dem Highway und fahre wieder zurück. Oberhalb des Canyon-Views befindet sich eine Lodge und erst jetzt bemerke ich , was ich für einen großen Hunger habe. Immerhin ist es schon nach 3 Uhr am Nachmittag.
Während ich mein leckeres Sandwich vertilge , freue ich mich einmal mehr darüber , mich gegen den Jeep entschieden zu haben. Alle in der Lounge im Trockenen sitzenden Gäste fotografieren folgendes Motiv.
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Der Kellner bekommt sich fast nicht ein vor Lachen , als ich frage , ob er glaubt , das Wetter wird bald besser. Ich aber glaube ans Universum und als ich das nächste Mal am Canyon Aussichtspunkt ankomme , hat sich der Nebel fast verzogen. Die Sonne lässt die Bergschlucht in warmen Farben leuchten und ich bin einfach nur glücklich. Manchmal zahlt sich Geduld eben doch aus – ich weiß , das sagt die absolut Richtige …

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Wieder im kleinen Ort Waimea angekommen , halte ich an einen der Souvenirshops an, denn mir fällt ein Top mit der Aufschrift „Dirt Shirt – Hand washed in red dirt“ ins Auge , das exakt den derzeitigen Farbton meiner Sneakers trifft… Das Teil muss mit…
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Auf dem Rückweg fahre ich noch einen kleinem Umweg zu einem Wasserfall , den ich mir auch hätte sparen können. Manchmal ist weniger dann doch mehr.

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Glücklicherweise gibt es einen Spätkauf in der Nähe meines Hotels. Wein , Wasser , Tütenpopcorn und Cracker, die meinen Abend retten , denn für ausgehen habe ich keinen Nerv mehr. Später im Hotelzimmer im Reiseführer nochmal nachlesend , finde ich zu meinem heutigen Trail folgenden Satz : „wer den Trail gegangen ist , der wird sicher ein sehr individuelles Erlebnis mit nach Hause bringen , das weit über Strand und Hula hinausgeht. “
Der Autor weiß gar nicht , wie recht er hat ….

Auf den Spuren von Jurassic Parc

Ich geb es ehrlich zu, ich wusste nicht , dass Jurassic Park vorwiegend auf Kauai gedreht wurde und auch nicht , dass es davon zwischenzeitlich vier !!!! Teile gibt , der letzte wohl auch hier gedreht. Nun gehöre ich allerdings auch nicht zu den Cineasten. Erstaunlich genug , dass ich Teil 1 gesehen habe. Auch 6 Tage – 7 Nächte (oder heißt der Film anders herum? ) , King Kong und Teil 4 von „Fluch der Karibik“ wurden zum Teil auf Kauai gedreht. Wen von euch wundert es, dass ich die Filme alle nicht gesehen habe…

Heute bin ich also – eher zufällig – auf den Spuren von Jurassic Parc.
Schon kurz nach 7 Uhr sitze ich bei Bagel und Cappuccino im Coffee Beans House. 9 Uhr startet mein Hubschrauberrundflug. Da ich nicht sicher bin , ob zeitiges Kommen einen guten Platz sichert , stehe ich schon 8 Uhr zum Check in bereit. Meine Idee geht auf , wir sind zu sechst in der Maschine – ich sitze direkt neben dem Piloten.

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Jung , gutaussehend, sehr sympathisch. Das einzige Problem – ich verstehe über die Kopfhörer leider kein einziges Wort seines Kaugummiamerikanisch. Das macht aber überhaupt nichts. Der Flug spricht für sich.
Wir starten , Musik auf die Ohren , Gänsehautfeeling inklusive. Die ganze Insel scheint aus dichtem grünen Regenwald zu bestehen. Alle Reiseführer empfehlen das gleiche : Kauai entdeckt man am besten aus der Luft Das kann ich nur bestätigen. Es ist grandios. Mit der Titelmusik von Jurassic Parc auf den Ohren landen wir kurze Zeit später lauf einer kleinen Lichtung. Nach einem kleinen Fußweg stehen wir vor einem beindruckenden Wasserfall. In Kooperation mit dieser Fluggesellschaft hat Steven Spielberg hier Szenen für seinen Film gedreht. Ich habe zwar keine Ahnung welche , aber der Anblick ist sehr imposant.

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Und schon geht es weiter über die ganze Insel. Wir haben klare Sicht, was an manchen Stellen der Insel eher ungewöhnlich ist. Immerhin befindet sich hier der regenreichste Punkt der Erde Über 12.000 mm Niederschlag fällt hier pro Jahr. Zehnmal soviel wie zum Beispiel in München.
Wie klug ich – eher zufällig – beraten war , die Tour morgens zu unternehmen , erschließt sich mir erst am kommenden Tag

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Ganz nah fliegt der Pilot an die Berghänge heran. Es ist , als ob wir gleich die Wand berühren können – und dann wieder weit aufs Meer , um die Korallen im klaren Wasser zu sehen. Ca. 75 min geht unsere Tour einmal komplett über die Insel. Noch ein letztes Foto und schon ist der Helikopter wieder mit anderen Gästen in der Luft.

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Ich befrage den gedruckten Reiseführer meines Veranstalters und entscheide mich für die Tour zum Südteil der Insel. Erstes Ziel ein blowhole. Diese „Springfontäne“ in der Meeresbrandung faucht wie ein Geysir, ist aber keiner. Die Wellen pressen das Meerwasser in eine Lavaröhre. Am Ende der Röhre tritt das Wasser senkrecht nach oben hin aus. Die nachfolgende Gicht spritzt uns allen ins Gesicht. Aber der Anblick ist es allenthalben wert.

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Direkt gegenüber dieses Naturschauspiels befindet sich der Eingang zum Allerton Garden. In diesem botanisch Paradies werden 2 1/2 stündige Führungen angeboten. Ich hab nichts anderes vor und würd auch gern noch ein bisschen mein English challengen und so schließe ich mich der Gruppe an. Ein älteres amerikanischen Pärchen , ein junges Paar aus Schweden , ein Franzose mit einem noch deutlich stärkeren Akzent und ich begleiten den ausgesprochen verständlich englisch sprechenden Guide (Hurra !!!) auf der Tour. Diese erweist sich als absoluter Glücksfall. Der Garten ist großartig. Von 1938 bis 1958 haben zwei finanziell unabhängige , kreative und ambitionierte Amerikaner hier Ihren Traum verwirklicht. Nach europäischen Vorbilder haben sie in diesem „Dschungel “ Gärten angelegt , die uns immer wieder ein Staunen entlocken.

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Zwischendrin essen wir süße Pomelos vom Baum , lernen , dass Macadamianüsse deswegen so teuer sind, weil sie zwei Schalen besitzen , die geknackt werden wollen und dass Hawaii den weltweit größten Export von Macadamias betreibt. Im Gegensatz zur Ananas übrigens , die ich hier so gern als einheimische Frucht genieße , die aber aus Südamerika exportiert wird…

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Auf meine Frage , warum es auf Kauai soviel wilde Hühner gibt (ungefähr so wie bei uns Tauben) erklärt unser Guide , während der Hurrikane (der letzte war 1992) retten die Menschen natürlich was zu retten ist und überlassen die Viecher sich selbst. So brechen die Hühner aus und tun , was sie am liebsten tun – sich vermehren. Wildhuhn mit Haushahn oder eher umgekehrt. Das Resultat sind – leider ungenießbare – Hähnchen an allen Ecken der Insel und oftmals auch mitten auf der Straße.

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Zum Schluss unseres so entspannten Spazierganges gelangen wir an die riesigen Affenbrotbäume, die ebenfalls als Filmkulisse von Jurassic Park dienten. Hier haben die Dinos ihre Eier abgelegt. Das Ende der Dreharbeiten 1992 fiel wohl direkt mit dem Hurrican zusammen. Angabegemäss gibt es Szenen im Film , die im echten Hurrican gedreht wurden. Das muss ich mir dringend noch einmal ansehen.

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Kurz vor fünf Uhr verlassen wir den Park und ich fahre noch ein wenig auf der empfohlenen Strecke weiter. Nächstes Ziel die Makewehi Klippen , die zu den eindrucksvollsten Steilklippen Hawaiis zählen. Das wissen außer mir wohl noch ein paar andere. Auf meinem kurzen Spaziergang erlebe ich drei Fotoshootings von Hochzeiten…

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Der Akku meiner Kamera und auch mein eigener sind für den heutigen Tag verbraucht. Noch ein letztes Foto und dann geht es zurück zum Hotel.

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Kurz geduscht bin ich mit einem Bärenhunger wieder unterwegs. Außer meinem Bagelfrühstück und ein paar Überlebenscracker unterwegs gab es bisher noch nichts. Tripadvisor empfiehlt Kilaueas Fish Market 200 m von meinem Hotel entfernt – zumindest theoretisch , wenn man nicht wie ich, in die falsche Richtung startet. Dann dauert es doch nochmal eine viertel Stunde länger. Die Shrimps werden zwar auf Papptellern serviert , sind aber so lecker , dass ich am liebsten noch Nachschlag hätte. Gottseidank ist 20 Uhr hier Küchenschluss und ich gerate nicht in Versuchung. Auf dem kürzesten Weg geht es zum Hotel zurück und nach einem Glas Wein auch direkt ins Bett.
Ob das wohl alles so erholsam ist …

Goodby und Hello

Zeitig klingelt auch an diesem Morgen mein Wecker. Eva warnte mich vor langen Schlangen bei der Rückgabe des Mietwagens bei Alamo und so ging ich auf Nummer sicher, um meinen 10 Uhr Flug nach Kauai nicht zu verpassen.

Erstaunlich schnell – bedingt durch die noch leeren Straßen – war ich am Flughafen und stellte mich entspannt in die wirkliche lange Schlange bei der Mietwagenrückgabe an. Doch schon steuerte ein Mitarbeiter auf mich zu, um mir das Auto abzunehmen. Ich war schon fast mit meinem Koffer auf dem Weg zur Abflughalle , als er einen große Schramme am Unterboden feststellte. Sollte ich doch auf dem forbidden way aufgesetzt sein? Ich konnte es mir wirklich nicht vorstellen und bat zu prüfen, ob der Schaden nicht schon bei Übernahme bestand. Er verschwand kurz, um mit einem strahlenden Gesicht und Good news wiederzukommen. Alles bestens – guten Flug Hatte ich schon erwähnt, wie großartig ich Alamo finde?
Und so sind nun noch 2 Stunden Zeit bis zum Abflug.
Also erstmal Frühstück bei meinem guten Freund Starbucks.

Mit „Selfservice“ finde ich übertreiben sie es hier dann doch ein bisschen. Selbst die Kofferbanderole drucke ich selbst aus und werfe den Koffer aufs Band. Hoffentlich sehe ich ihn in Kauai wieder.

Goodby Maui – das Paradies auf Erden

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Hello Garteninsel Kauai.

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Schon von der Luft aus kann man gut erkennen, wie unfassbar grün die Insel ist. Alles verläuft auch hier reibungslos : Koffer wieder da , Shuttle zur Autovermietung – hier bin ich ja schon ein alter Hase und – downgrade mich dann diesmal bei der Wahl meines Autos. Der für mich reservierte Jeep – denn hier gibt es eine Menge unbefestigter Straßen – scheint mir zwei Nummern zu groß für mich. Kaum bekomme ich den Koffer in den Kofferraum gewuchtet und entscheide mich kurz entschlossen für meinen guten Freund Hyundai. Diesmal in einem ausgesprochen schönen Rotton.

Das Hotel liegt nur wenige Meilen vom Flughafen entfernt und das beste daran ist : mein Zimmer ist ca 100 m max. vom Sandstrand entfernt. Großartig. Nicht so schön ist die Baustelle direkt gegenüber. Und natürlich stelle ich jetzt fest, wie komfortabel mein Apartment in Maui mit Küche und Wohnzimmer war.

Der Hunger treibt mich voran, auspacken kann warten und so wandere ich am Strand entlang. Wie schon auf Maui gibt es auch hier einen Oceanview Weg, über den ich nach knapp 2 km „Oasis in the Beach“ erreiche. Beim leckeren Lunch mache ich mich mit der Insel vertraut. 4 Tage werden nicht reichen, um alles zu sehen und trotzdem entscheide ich mich nach dem Rückweg mit Buch und Decke zur Strandwiese des Nachbarhotels zu gehen – da hört man den Baulärm nicht mehr. Und da es ja die letzten Tage eher Englisch still um mich war , entscheide ich mich für das Buch „whats for tea“ , das auf köstliche Art Englischlektionen erteilt – Kategorie : besonders empfehlenswert.

Am Abend fahre ich schnell zum Foodland, um das nötigste zu besorgen : Wasser , Wein , Ananas und Erdnüsse – mein heutiges Dinner.

Kurz darauf fallen mir auch schon die Augen zu …

Über den Wolken

Halb drei in der Früh klingelt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf. Pünktlich 3 Uhr holt mich der Guide, der auch gleichzeitig unser Fahrer ist , im Ressort ab. Mit einer Ecuadorianerin , die seit
Jahren in San Francisco !!! lebt und zwei Schwestern aus Hamburg ist unsere kleine Gruppe komplett. Durch die Dunkelheit fahren wir knapp 90 min zum Gipfel des Berges Haleakala in 3000 Meter Höhe. Wir sind sehr früh am Ziel und erobern einen der besten Plätze für den zu erwartenden Sonnenaufgang, zu dem schon Mark Twain gesagt hat : „Es ist das erhabenste Schauspiel , das ich je gesehen habe. Die Erinnerung wird immer in mir bleiben “

In für uns gefühlt klirrender Kälte (die Temperatur bewegt sich um den Gefrierpunkt ) harren wir mit Decken , Mützen und Handschuhen aus. Beginnend mit der absoluten Dunkelheit und tausenden von Sternen und Sternschnuppen – unser Guide zählt für sich allein 8 davon , während ich leider keine einzige entdecke. Dann beginnt sich der Himmel zu verfärben. Rings um uns hört man nur das klicken der Kameras und staunende ah und oh – Rufe. Es ist unbeschreiblich , was wir hier sehen und keines der Fotos kann tatsächlich die Realität wiedergeben. Wir stehen über den Wolken, aus der langsam der glühende Sonnenball auftaucht. Im eigentlichen Moment des Sonnenaufgangs beginnt ein Maui zu singen…

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Die Landschaft verändert sich im Licht und wir sehen die Farbenvielfalt der Kraterlandschaft und einen weiten Blick ins Tal bis zum Ozean. Unser sehr sympathischer Guide , dessen Maryland -Akzent ich leider fast überhaupt nicht verstehe , freut sich mit uns , dass dies einer der klarsten Tage war , die er selbst hier erlebt hat.

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Auf dem Rückweg halten wir zum Frühstück an. Auch hier hält das riesige Omelett wieder für den ganzen Tag satt Gegen 11 Uhr bin ich zurück im Ressort und todmüde …
Schnell Post erledigen , online für morgen nach Kauai einchecken und dann zum Strand … Oder doch nicht : gegen 15 Uhr wache ich auf der Couch wieder auf…

Bewusst auf Kamera und Smartphone verzichtend – jedes Foto ist schon gemacht – zieht es mich mit Decke und Buch zum Strand. Ich finde ein ideales Plätzchen im Schatten mit immer wieder diesem überwältigenden Blick und lese noch einmal das Buch , das mich hierher geführt hat „Das Café am Rande der Welt „. 3 Fragen stehen hier im Mittelpunkt :

Warum bist du hier ? (Meint , was ist der Zweck deiner Existenz “ )
Hast du Angst vor dem Tod?
Führst du ein erfülltes Leben?

Ein weiteres Mal versuche ich für mich Antworten auf diese Fragen zu finden.
Frage 2 ist theoretisch leicht – Angst vor Krankheit – ja, Angst vor dem Tod – nein. Dafür hatte ich zuviel Berührungspunkte in den letzten Jahren damit und Angst vorm Tod haben vermutlich diejenigen , denen noch etwas fehlt im Leben. Dazu zähle ich nicht. Liebe , Freundschaft , glückliche Momente rings um die Welt durfte ich bereits erleben. Meine Bucketlist ist leer. Freude und Fluch zugleich. Führt es mich doch direkt zu Frage 1 und 3. Zweck meiner Existenz und damit ein erfülltes Leben. Schwer, dies zu beantworten. War doch die Reise hierher auch darin begründet , Antwort auf offene Fragen zu finden. Ist das begonnene online – Studium zum Fachwirt tatsächlich der richtige und damit auch sehr einsame Weg für die nächsten 18 Monate.? Ist es wirklich das, was mir zum glücklich sein fehlt ? Werde ich mich selbst verurteilen , wenn ich mich dagegen entscheide ?
Die Weltreise steht auf meinem Zettel noch ganz oben. Aber bin ich dazu jetzt schon bereit? Ist sie doch viel mehr , als mit Reiseführer und World Around Ticket Städte und Landschaften zu erleben. Ist es nicht vielmehr der Kontakt mit den Menschen , um die Kulturen zu verstehen ? Bin ich offen genug dafür ? Meine Zeit mit Yaffa und Jacoov waren dazu ein guter Anfang. Ehrlicherweise haben die beiden es mir aber auch sehr, sehr einfach gemacht.

Die Fragen treiben mich um, halten mich nicht mehr auf der Decke und so unternehme ich einen langen , letzten Spaziergang hier am Strand von Maui.

Morgen beginnt meine letzte Etappe dieser Reise in Kauai.

Allein in einer fremden Stadt …

… nein, nein, ich bin nicht durch die Nacht nach Amsterdam geflogen, ich fand den Titel heute nur so passend. Wobei Lahaina mit knapp 12.000 Einwohnern dann doch wohl eher eine Kleinstadt ist. Aber dazu später.

Mein Wecker klingelt heute früh. Es lockt mich das 8 Uhr Yoga unter einem großen Affenbrotbaum mit Blick auf den Ozean. Gylian gibt hier jeden Mittwoch eine freie Stunde Yoga for everybody und so ist die Stunde auch eher soft. Das stretchen und entspannen tut Körper und Geist trotzdem gut – der Blick tut sein übriges.
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Den will ich auch nach der Stunde nicht missen. Ich entdecke am Straßenrand ein Starbucks Café und decke mich hier – in Erinnerung an meine Reise nach New York – mit Cappuccino und Sandwich to go ein und sitze damit kurze Zeit später wieder mit dem gleichen Blick auf einer Bank am Meer. Beim anschließenden Spaziergang auf der Oceanview Strandpromenade entdecke ich einen Abschnitt , der fürs Schnorcheln besonders empfohlen wird und beschließe später hierher zurückzukommen.

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Doch zunächst führt mich mein Weg zu Eva – meiner Fastvermieterin. Das Reisebüro in Deutschland hat mich kontaktiert, Eva wolle mich gern kennenlernen.
So klingle ich wenig später erneut am B&B und werde herzlich von der Inhaberin begrüßt. Sie bedauert die Überbuchung sehr und drückt mir als Entschädigung einen Umschlag in die Hand, dessen Inhalt sich später als mehr als großzügig herausstellen wird. Wir schwatzen ein wenig und ich stelle fest , dass mein Ursprungsplan „Improve my English at breakfast “ so auch nicht aufgegangen wäre. Alle ihre Gäste sind derzeit Deutsche … Das Universum wusste also mal wieder was es tat …

Mit meiner frisch erworbenen Taucherbrille inkl Schnorchel springe ich kurze Zeit später in die Fluten. Kopf unter Wasser ist jetzt nicht zwingend meine Leidenschaft. Ich sehe einige Korallen und noch weniger Fische – hier haben mich die Malediven wohl für immer mit ihrer bunten Unterwasserwelt verdorben. Vielleicht bin ich auch nur an der falschen Stelle…

Am späten Nachmittag sitze ich ins Kleidchen gehüpft in meinem Auto gen Laihuna. Diese hübsche Hafenstadt – ungefähr 45 min vom Resort entfernt – bezaubert insbesondere am Abend. Ich erobere einen Blick in einem Restaurant direkt am Meer und genieße den frischen Thunfisch.
Beim anschließenden Bummel entlang der Frontstreet kommt das erstemal Wehmut auf , dies alles allein zu erleben. Ich lasse den Augenblick zu , irgendwann kommt er auf jeder Reise und hat absolut seine Berechtigung.

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Neben Juwelieren und Souvenirshops reihen sich in Laihuna insbesondere Galerien aneinander. Der Übergang von Kunst zu Kitsch ist fließend. Doch eine Galerie zieht mich magisch an. Es ist die Fotogalerie von Peter Lik – einen für mich total spannenden Fotografen aus Australien , der u.a. hier seine Bilder ausstellt. Ich verliebe mich spontan in eine schwarz/weiß Fotografie: Nachtaufnahme einer regennassen Straße in DUMBO mit Blick auf die Brooklyn Bridge
Leider darf ich das Bild hier nicht posten. Wen es interessiert , kann es sich anschauen auf lik.com. New York , Vintage Road.
Der Galerist wittert Geschäft und setzt mich mit dem großartig gerahmten Foto in ein Separee. Das Licht wird gedimmt und die Straßenlaternen auf dem Foto beginnen zu leuchten.
Beim anschließend zu verhandelnden Preis leuchten meine Augen leider nicht mehr. Bei knapp 8000 Dollar fallen 400 Dollar Shippingkosten nach Deutschland nicht mehr wirklich ins Gewicht. Mit der Visitenkarte des Galeristen in der Hand und der Gewissheit , dass ich das Bild einfach nur im Gedächtnis behalten werde, stehe ich wenig später wieder auf der Straße.
Kaufe mir bei Hawaii Pearls noch eine Perle als Ersatz für den Verlust meiner verlorenen Perle meines Doha-Ringes – Erinnerung an meine erste Fernreise allein – und fahre durch die Dunkelheit zurück zum Ressort.

21.30 Uhr lösche ich das Licht – in 5 Stunden wird die Nacht zu Ende sein ….